Verletzungen und Übertraining durch zu hohen Cortisolspiegel

Hochleistungstraining, wie es im Spitzensport üblich ist, aber auch moderates körperliches Training neben einem stressigen Alltag können Sportler rasch an die Grenze der Belastbarkeit führen. Da Trainingsreize verarbeitet werden müssen, ist die Regeneration immer der Schlüsselfaktor zum Erfolg. Doch gerade hier liegt die Herausforderung für Athleten. Intensives körperliches Training fördert die Ausschüttung des Stresshormons "Cortisol". Dieses wirkt katabol (muskelabbauend). Häufiges intensives Training führt schnell zu einem Anstieg des Blut-Cortisol-Spiegels. Wenn der Körper aufgrund von zu intensiver Belastung, fehlender Nährstoffversorgung oder anderweitigen Stressfaktoren dieses Cortisol nicht mehr auf natürlichem Wege abbauen kann, dann kann es zu einem so genannten Hypercortisolismus, auch Cushing Syndrome genannt, einem chronischen Ansteigen des Blut-Cortisol-Spiegels kommen. 

 

Dies mündet in dem in der Sportwelt als "Übertraining" bezeichnetem Zustand.  Durch einen zu hohen Cortisolspiegel kommt es zum verstärkten Abbau von Muskel- und Knochenmasse, die Wände der Blutgefäße werden dünner und brüchiger, Nebennieren und Schilddrüse werden überlastet. Weitere Folgen sind eine Immunschwäche, Übersäuerung, Schwankungen des Blutzuckerspiegels, Insulinresistenz, Haarausfall und Schlafstörungen. Dies wirkt sich selbstredend auf die Leistungsfähigkeit aus und ist ein Nährboden für Verletzungen.

 

Hypercortisolismus führt zu

  • verstärktem Abbau von Muskelprotein
  • verstärktem Abbau von Knochenmasse
  • Abbau von Bindegewebe im gesamten Körper
  • Instabilität der Blutgefäße
  • Wassereinlagerungen im gesamten Körper
  • Blutzuckerschwankungen
  • verstärktem Aufbau von Körperfett
  • chronischer Übersäuerung
  • Schlafstörungen
  • Überlastung der Nebennieren
  • erhöhtem Ruhepuls und Blutdruck
  • gestörter Verarbeitung von Trainingsreizen 
  • verminderte Regeneration
  • Antriebslosigkeit
  • verringerte Leistungsfähigkeit
  • psychische Erkrankungen und Depressionen
  • Burnout-Syndrom

Cortisol - das stresshormon Nummer 1

Damit der menschliche Organismus am Leben erhalten wird, verfügt er über Regulationsprogramme. Die ausgeglichene Funktion dieser Programme wird auch als Homöostase bezeichnet. Voraussetzung einer funktionierenden Homöostase ist ein funktionierendes Endocannabinoidsystem, aber zum Beispiel auch ein ausgeglichenes Hormonsystem. Sobald wir den Zustand der Homöostase verlassen oder es durch einen Reiz aus dem Gleichgewicht gerät, ist unser Überleben mehr oder weniger gefährdet.

 

Nahrungsmittel-, Schlafentzug und Phasen erhöhter Belastung und Anstrengung bringen Menschen aus der Homöostase und sind auf Dauer lebensbedrohlich. Eine Weile ist der Körper auch in der Lage, ohne Nahrung und ohne Wasser zu leben, aber ab einem gewissen Zeitpunkt ist dies nicht mehr möglich. 

 

Der menschliche Organismus ist von jeher auf so konzipiert, dass er auf plötzlich auftretende Situationen und Zustände reagieren kann. War dies in grauen Vorzeiten die Angriffe wilder Tiere, so können es heutzutage Alltagssituationen sein, die unser Leben in wenigen Sekunden beenden und bedrohen können. Auch im Sport gibt es immer wieder Situationen, die plötzlich auftreten und für den Menschen gesundheitsgefährdend, lebensgefährlich oder sogar tödlich sein können. Unfallsituationen, schwere Verletzungen oder auch ganz normale Wettkampfsituationen. 

 

In diesen Momenten entsteht massiver Stress, sofortiges Handeln und eine sofortige Reaktion sind nötig, um unbeschadet aus dieser Situation heraus zu kommen. In diesen Fällen wird sofort verfügbare Energie in unseren Muskeln benötigt. Das Herz und die Skelettmuskeln müssen sofort maximale Leistungsfähigkeit erbringen, unsere Atmung muss so gesteigert werden, dass alle Muskelzellen genügend mit Sauerstoff versorgt werden, die Energie bereitstellenden Systeme müssen ebenfalls sofort gespeicherte Energie mobilisieren, um die Muskelzellen zu versorgen.

Damit all das in wenigen Sekunden möglich ist, wird beim Registrieren von Stress jeglicher Art sofort das Stresshormon Nr. 1 „Cortisol“ ausgeschüttet.

 

Cortisol ist ein Glukokortikoid und wird von der Nebennierenrinde gebildet. Es wird bei verstärkter körperlicher und psychisch-emotionaler Belastung ausgeschüttet, immer wenn unser Körper Stress auf neurologischer und metabolischer Ebene erfährt. Cortisol hat die Aufgabe, bei einer plötzlich auftretenden Stresssituation Energie aus den Zellen freizusetzen, damit das Herz und die Muskeln bei einer „Kampf- oder Fluchtsituation“ genügend Energie zur Verfügung haben. Früher entstand plötzlich auftretender lebensbedrohlicher Stress immer nur dann, wenn ein feindlicher Angriff unmittelbar bevorstand oder wenn unser Überleben plötzlich in Gefahr war, z. B. durch Ertrinken oder Ersticken.

 

Dazu wird zur Not auch ein gewisser Raubbau einkalkuliert, Muskelzellen werden „geopfert“, Muskelprotein wird, wenn nicht genügend andere Nährstoffe zur Verfügung stehen zu Energie verbrannt. Im Gegensatz zu Testosteron, HGH, Insulin und IGF-1 gehört Cortisol zu den katabolen, Muskelprotein abbauenden Hormonen.

 

In den Vorzeiten kamen diese bedrohlichen Szenarien nicht so häufig vor wie das heute der Fall ist. Auch wenn sich die Art der Bedrohung geändert hat, so es heute vor allem die Masse der "kleinen" Bedrohungen und Belastungen, die Menschen aus der Homöostase und hinein in den Hypercortisolismus treiben. Wenn eine Stresssituation erfolgreich überstanden war, begann der Körper mit der Wiederherstellung der Homöostase. Der Körper konnte sich nach kurzzeitigem Stress wieder vollständig erholen. 

schädlicher dauerstress

Wie oben beschrieben, ist es die Grundaufgabe des Homons Cortisol, in Extremsituationen alle verfügbare Energie bereit zu stellen, um diese unbeschadet zu überstehen. Unser System ist aber nicht darauf ausgerichtet, durchgehend große Mengen an Cortisol auszuschütten. Doch bereits die Lebensweise von Nicht-Sportlern im "modernen Alltag" reicht aus, um eine zu hohe dauerhafte Ausschüttung von Cortisol zu bewirken. Wichtige Ursachen für Dauerstress sind:

 

  • Intensives Training
  • Schlafentzug
  • Existenzängste
  • Elektrosmog, Strahlenbelastung
  • Medikamente, Alkohol
  • Mangel an Makro- und Mikronährstoffen
  • Überlastung am Arbeitsplatz
  • Reizüberflutung
  • Hektischer Lebensstil

 

 

CBD als cortisol-hemmer

Dass Cannabidiol (CBD) einen positiven Einfluss auf die Regeneration hat, ist unter anderem auch darauf zurück zu führen, dass CBD die Ausschüttung des Stresshormons Cortisol reguliert. Eine bereits 1993 durchgeführte placebokontrollierte Studie zeigte, dass nach Gabe von Cannabidiol eine deutliche Reduktion des Stresshormons Cortisol gegenüber der Placebogruppe bewirkte.

 

Bodybuilder und Kraftsportler, die anabole Steroide einnehmen, tun dies zum Zweck des verstärkten Muskelaufbaus. Da diese Substanzen aber starke Nebenwirkungen haben und sich zudem auf der WADA (World Anti Doping Agency)-Liste der verbotenen Substanzen befinden, ist es nachvollziehbar, dass Athleten nach Möglichkeiten suchen, diesen Effekt auf andere Weise zu erzielen. Wenn man anabole (muskelaufbauende) Prozesse im Körper nicht verstärken kann, so kann man zumindest versuchen, die katabolen (muskelabbauenden) Prozesse im Körper zu reduzieren. Durch eine Hemmung der Cortisolausschüttung werden diese katabolen Prozesse im Körper vermindert und der Trainingsreiz kann optimal verarbeitet werden.